Eliza Douglas

Schinkel Pavillon

2018:März // bbk-Workshop

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03-2018



16 weiß grundierte Leinwände angeordnet im oktogonalen Raum der Klause des Schinkel Pavillons zeigen Formen von visueller Kommunikation innerhalb der Malerei. Als Objekt gewordene Subjekte finden sich die Betrachtenden (früher, später oder auch nie) inmitten ihrer Gespräche über Id- Entitäten wieder.
Marc Bredemeier
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Bleichlichtig inszeniert kesseln die Großformate den Betrachter ein: hier wurde sich der Architektur des Oktaeders gebeugt, kaum Luft für die Werke und das, was der Besucher mitbringt. Assoziiert wird der Erfahrungsraum, den Douglas in einer anderen Branche lebt. Ist dies gewollt, gelingt es nur schwer, der Malerei an sich zu begegnen: das pas-de-deux ist zu verbaut.
Hände, Arme, Füße – eingefrorene Bewegungen, deren Verbindungen oft disconnected sind; Linien, angedeutet oder farbstark-kreisend, mal monochrome Farbflächen händelnd. Irritierend stark fotorealistisch ausformuliert: Dinge des Konsums. Programmatisch ist die Abwesenheit des Körpers, von Leben.
Die Absenz der Malerin ist zu spüren. Längst getrocknete Tränen und Schmerz. Sie ist weitergezogen, ohne den Pressetext zu lesen oder auf zugängliche Bilddaten zu bestehen. Zurück bleibt handwerkliche Fragilität: kraftloser Leinen, Klekse, perspektivisch fehlerhafte Fingerstellungen, unschlüssige Kompositionen, Leerstellen.
Jana M. Noritsch
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„Reference Studies“ – das ist das neue Grundlagen-Studien­fach – für alle Kreativen. Mal sehen, welche Uni es zuerst anbietet. Nein, nicht langweilige Referenzkunst analysieren, sondern den Gesamtauftritt, die ganze Existenz, ihren Entwurf. Es geht um das (Er-)Kennen von Kampagnen, „told stories“, Influencern und Marketern.
Es wirkt wie ein leichtes Spiel zunächst, also zumindest am Anfang. Ein ständiges Sich-Bälle-Zuspielen, sich referenzieren, Verweise platzieren, to drop it at the right moment … to enter the stage, to enter the runway in the appropriate context and at the right time. To tell a catchy story around it. Die deutsche Sprache eignet sich nur beschränkt, um es zu beschreiben: widerspiegeln, weiterreichen, empfehlen, einbetten und in Szene setzen, Geschichten drum herum kreieren … – im Austausch, als Resonanzfläche … Developed and implemented, campaigned …
„Reference Studios“, diese PR- und Marketing-Agentur gibt es wirklich, in der Kantstraße in Berlin. Und das ist auch überhaupt kein Skandal, sondern einfach nur Symptom.
It was nice to meet you!
Barbara Buchmaier
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blutleer
Ute Broenner
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In den oktogonalen Räumen des Schinkel Pavillons hängen 16 Gemälde mit dem wiederholenden Format 120 × 180 cm, Öl auf Leinwand. Eine zeitgenössische Auseinandersetzung mit Figuration und Abstraktion? Fotorealistisch bis gestisch auf grundierter weißer Leinwand, alles aus einer Hand (und Füßen), versuchend die Malerei zu fassen. Weitere Motive: Norm-Core-Turnschuhe, Energy-Drink, eine Comicfigur, leere Farbflächen, Visitenkarte, eine gefaltete Ecke. Ein Jonglieren mit diesen Elementen, um Ambivalenzen zu entgehen und sich spielend vom Gewicht der Kunstgeschichte zu entlasten?
Pressetext sagt, es geht um die Abwesenheit von Körper. Habe den Eindruck: es geht um Malerei als Spur ihres Körpers, das auf den Insta-Oberflächen globaler art/fashion Jetsets sehr anwesend wirkt.
Ich jongliere mich selbst zurück zu den Händen und Füßen, denke weiter an Performance, mittelalterliche Handsymbolik und beende meine Assoziationen mit M.C. Eschers „Drawing Hands“ (1948).
Lizza May David
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Andeutungen, Auslassungen, Turnschuhe erscheinen greifbarer als leblos anmutende Hände und Füße und vermitteln eine spürbare Distanz der Künstlerin zur Darstellung von Körperlichkeit. Ihre persönliche Auseinandersetzung und Position in der gezeigten Werkreihe spiegelt sich auch in dem sehr emotionalen Titel der Ausstellung.
Vieles wirkt verspielt, gar dilettantisch, bleibt in der Fläche, zerrt einen dann aber doch in die Tiefe … Mit verstörender Leichtigkeit erschließt Eliza Douglas ein bleischweres Thema. Sind die alten Taschentücher schon getrocknet?
Matthias Moseke
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TRÄNEN AUF TUCH
1. / Deckensegmente von Kunstlicht im Untergrund / beleuchten acht Wände, / behangen mit sechzehn / wenig bemalten weißen Tüchern mit Eckfalten / und den mit Ziegelsteinen verlegten Partyboden, / Fischgrätenmuster. /
2. / Vom Mittelpunkt aus / (noch nicht gerädert von Bezügen aller Randnotizen) / Erkundungen von sich manchmal wiederholenden / Selfies von Hand- und Fußpräparaten / in unterschiedlicher Verteilung im Großformat, / verbunden durch Referenzen zu Stilen / moderner europäischer Kunstgeschichte / in Varianten und / als Platzhalter /
für einen abwesenden Kopf oder Körper /oder anderen Inhalten. /
3. / Bildlich links rund gehen / mit frischem Energiegetränk, / voranschreitend mit ID-Präsenz, Geschichten und Visiten / von Produzenten und Teilnehmern, / zu füllende Anträge und Vorhaben ohne Namen oder Abnehmer, /nur das Tatoo „D“ nahe des Daumens /als Anhaltspunkt zur Orientierung. / Mittig innehalten im Streifenstoffstrudel / sich nicht begeifen und nichts finden / außer sich selbst in Auflösung und in Klausur / aber unter Beobachtung /dabei Fitness haltend ohne festen Halt /aber mit wechselndem Outfit, / erst einmal Ende im Krümelmonsterkunstalb / Ökonomisch umgesetzt. / Noch lebend. /Ausgang /
4. / Oder Runde für Runde im Panorama / des Willens zur Kunst, Nicht-Anders-Können / und der Verzweiflung /an der Kunst /als Mittel zum Lebensunterhalt, / mit den Abhängigkeiten, Leerstellen, Verbiegungen /Konsequenzen - mit Tränen. / Leben. / Squaring the circle. / + / Von außen umschreiten und überschreiben. / Im kollektiven Diskurs / zu Sinnen kommen. /
Kerstin Weßlau
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Echoraum, diese (Selbst)Wahrnehmung hat Hand und Fuß.
Übergroß die Überkörper, kopflose Superfiguren aus fast Nix.
Muster, Marken, Möglichkeiten, ein Greifen im Leer ins Alles.
Dichotomie als Platzhalter, Leinwand als Anker im Offenen.
(zu Eliza Douglas, „Old Tissues Filled with Tears“, Ausstellung nur auf Website gesehen)
Mariola Groener
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Diese 8 Stimmen gehen auf einen gemeinsamen Ausstellungsbesuch im Rahmen eines BBK-Workshops zum Thema „Kunstkritik“ zurück.

Eliza Douglas, „Old Tissues Filled with Tears“, Schinkel Pavillon (Schinkel Klause), 2.12.2017 –21.1.2018
 
Eliza Douglas aus W Magazine, Foto: Nadine Fraczkowski