Christiane F., Eliza D. & Anne Imhof

Modelle der Gegenwart

2018:März // Barbara Buchmaier, Christine Woditschka

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03-2018

Welt ohne Politik – als Vision. Mini-Communities. Konzerne statt Staaten. Mode statt Kunst. Die Gewinner sind einfach die Besten. Verstehst du das nicht? Du bist ein Idiot. (Toidi). Gewinnen der Besten. Hey, BESTIE!
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Die sind immer clean. Weißt Du das nicht? Oh.
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Unendlich machtvolle Individuen. Zum Glück ist der einzelne Mensch sterblich.
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Wer hätte gedacht, dass Anne Imhof zu Staatskunst wird?
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Angst regiert. Kaskade. Bedeutungskaskade. Arket. Arcade fire. Carcass. Kadavre. Cadere. Fallen. Kaskade. Absturz, Wasserfall. Dissonanz. Leichte Abweichung. Drehung. Buchstabendrehung. Deutlich. Deuten. Zeigen. Hindeuten. Alles deutet darauf hin.
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Es ist eine diffuse Stimmung, die sich aufgebaut hat. Wie ein Traum. Ja, es könnte alles auch ein Traum sein.
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Ich liebe Anne Imhof. Ich denke, dass sie die beste Künstlerin ist, die man gerade sein kann. Ich finde, dass ihre Ähnlichkeit mit Christiane F. gut ist, saugut sozusagen, einfach gut. Einfach richtig gut. Zu gut, um wahr zu sein.
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Nur die Hunde in Venedig störten etwas, Dobermänner, Wach-, KZ-Hunde. Angeblich waren es nur Weibchen, was auch sonst. Doberfrauen. #metoo. Aber stimmt schon, wie Anne Imhof sagt, sie sind schön. Gar nicht so gefährlich. Sie brauchen ein verlässliches Herrchen, sonst drehen sie durch.
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Sie stören. PUNKT. Weisen zu sehr nach rechts, dabei soll es ja antifaschistisch sein. Verquere Sache. Verquerer Instinkt.
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Nicht zu low ansetzen das Ganze.
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Der Stand der Dinge. Schau hin: Drogen und Prostitution, Streetstyle und hübsch abgewrackter Vintage-Look, adrette Altkleider, 70s vs. kaputte Love-Parade: das sind die übergeordneten Themen der aktuellen Kampagnen, die sich im Between-Art-and-Fashion-Segment jetzt schon seit längerer Zeit kristallisieren. Deren Protagonist/­innen, Marketer und Agenten-Figuren zwischen Model und ­fucked up. Prada, Balenciaga, Gucci-Blumenkinder-Campaign schon 2016 in West-Berlin.
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Gespielter, hingeschminkter Sturz und gleichzeitig der fiktive Abgrund des angeborenen Status.
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Verschwimmende Verfassungen.
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Der unschuldige Betrachter als Voyeur. Die User, die Wissenden als vermeintliche Verbündete, als Werber, Community. Insidertummelei.
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Mehr sieht man nicht. Kann man nicht.
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Dass auf den auffälligen weißen Sneakern mit den s/w-gestreiften Schuhbändeln auf dem Acryl-Bildern von Eliza Douglas der Balenciaga-Schriftzug weggelassen wurde, nein, das ist gar nicht boring. Dass diese Schuhe, die schon zu ihrem Release-Zeitpunkt, weil limitiert, nur schwer erhältlich waren, mit über 1.300 EUR auf Ebay gehandelt wurden, scheint manchen egal zu sein. Was war eigentlich der Ladenpreis des „Triple S“? Wahrscheinlich lag er ähnlich. In Rotterdam will die Polizei jetzt übrigens in einem umstrittenen Pilotprojekt junge Menschen kontrollieren, die teure Designer-Klamotten tragen. „Sollten den Einsatzkräften Zweifel kommen, dass die dem Anschein nach teure Markenkleidung der ins Visier genommenen Jugendlichen tatsächlich gekauft ist, dürfen die Polizisten sie konfiszieren.“ (http://www.textilwirtschaft.de/business/unternehmen/kriminalitaet-rotterdamer-polizei-will-jugendliche-auf-geklaute-kleidung-filzen-208528?crefresh=1)
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„Die Behörden wollen junge Kriminelle abschrecken. Die Rotterdamer selbst halten die Maßnahme für illegal und finden, dass sie Racial Profiling begünstigt. Diesem Vorwurf entgegnete Polizeichef Frank Paauw, dass die Polizisten nur bereits in ihrer Datenbank vermerkte Menschen anhalten und befragen würden.“ (https://www.vice.com/de/article/zmqyp4/verhaftet-wegen-designer-klamotten-in-rotterdam-vielleicht-bald-realitaet)
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Wie Anne Imhof das wohl findet, ich meine auch das, was ihre Nachbarn von der „Frankfurter Hauptschule“ machen?
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„Wir sind erst zufrieden, wenn das Bahnhofsviertel fest im Griff von Junkies ist. Wir wollen völlig vercrackte Zombiehorden, die mit abgesägten Schrotflinten durch die Münchener Straße patroullieren, während der Rauch von ausbrennenden Einsatzwagen sich mit dem warmen Licht der Abendsonne mischt.“ (Sprecherin von FHS, zitiert nach ­urbanshit.de, 8.2.18). Überlege doch mal, wie staatstragend Drogen sind. (Wenn Bushido die Wirtschaft ankurbelt.) Opium für das Volk. Opium. Klov. volK. Opium immer für das Volk. Waffen.
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Ja, die DRUGS, diese Drogen sind es nun auch und wieder bei Raf Simons zu Herbst /Winter 2018/19. „Christiane F.“, das Antlitz der in West-Berlin in den 1970ern ins Drogenmilieu abgestürzten Jugendlichen (bzw. das von Natja Brunckhorst) und der Titel-Schriftzug vom Plakat (Film aus 1981) direkt und 1:1 auf seinen Oberteilen. Gerade dann, wenn sie sich hinter einem Vorhang aus ihren Haaren versteckt, sieht ihr Anne Imhof gar nicht so unähnlich. Ist doch so.
Ich darf darüber schreiben, solange sie ein Balenciaga-Cap trägt. Ihr Äußeres zählt also öffentlich. Ganz klar. Sie sieht aus wie Christiane F. PUNKT. Anne Imhof inszeniert sich auf zwei Fotos wie Christiane F. Nasse Haare. Vorhang.
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Ich liebe auch ASAP Rocky und Michelle Lamy.
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Goldene Leinwand – Goldener Löwe – Goldener Schuss. Sich freuen wie ein kleines Kind.
Abschrecken und Anziehen. Ganz wörtlich. Ich ziehe mich an, damit ich da bin. Auch schon eine Tätowierung schützt vor Nacktheit und macht mich da. Mich da.
Branding. BRANDING THE SUBCONSCIOUS.
Kokettieren.
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Signature Pieces, NY, Herbst 2017. Cocaine Models Management.
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Bedeutung ohne Deuten. Referenzrahmen. Bedeutungslosigkeit. Eines, das dem anderen folgt. Sukzessive. Wie von selbst. Schön-sein im Nonsens. Lachen. Sich auflösen.
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Vielleicht findet der Demna Gvasalia sie ja auch zum Kotzen und dass sie einfach alles von ihm kopiert. Oder ist ES übergetreten in die sog. Kunst? Wer ist denn wessen Agent?
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Warum muss ich eine Vêtements-Schau ansehen im Hamburger Bahnhof?
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Aber ich will ja auch gar keine Kunst, ich sehe mich selbst als Modell; Modell. Lledom.
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Da sein. Einfach. Da. Sein.
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Ich will Material sein. Frag mal Sophie Rois, was das bedeutet.
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„Auch in Bayreuth wehten Fahnen, die Bundespolizei war da und hat Handtaschen durchsucht. Das lehrt einen das Fürchten, genauso wie der tosende Applaus und die Hingerissenheit des Publikums und dessen dünkelnde Treue. Jedoch, Oper ist großartig. Die Leute werden sich wundern, wie die Opern der Zukunft aussehen werden.“
(Anne Imhof, Die Zeit, 23.8.17)
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Der VATER liebt dich. Ich liebe dich. Ich auch.
Passieren. Auf der Straße, auf die Straße.
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Die Opern der Zukunft. Drama mit Musik. Dramen fallen mir ein. Musik, stärker als die LOVE PARADE. Sanctuary of Lovers. Stronger. Die HATE PARADE eventuell. HATE. HT.
Nein####
Bei Telfar zuletzt, NY Fashion Week 2018: Die Schau war als Konzert angelegt. Die Musiker trugen die neue Kollektion. Ganz einfach. Eine einfache Idee, aber anders jetzt.
Fluid and Free. Finally mainstream media and brands are starting to pay attention.
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Die Hunde stören.
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Und dann fühle ich mich wie im Knast der Gegenwart. Ich brauche unberechenbare Kontrolle, mein Körper passt sich an, er ist formbar. Bin ich das Opfer, oder spiele ich es nur?
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Nichts kann mich berühren. Informationsüberfülle.
REDUNDANZ. ZNADNUDER.
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Prostitution.
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Von wem lasse ich mich anleiten und wie viel trage ich selbst zum Gelingen der Sache bei?
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Ob meine Buffalo-Turnschuhe mit der fetten Plastiksohle aus den Neunzigern noch durchgehen? Passing DRAMA. Passing TRAUMA.
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Die sahen mindestens so gewollt scheiße aus wie diese bewusst hässlich und sinnlos überformten Techno-Sneaker der Gegenwart. Mit was für einer Maschine kann man so etwas herstellen?
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Gift. Giftfabrik. LABOR. 3-D-Printing-Technology. „Fresh Foam Lazr“ (New Balance). Nahe der Grenze. Plastikstoff.
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Tropial Heat /„Let the music move your body“, Capella / „You got to let the music…“, Eurotrash, zusammen mit Red Bull ein echter Vintage Hit, perfekt für die Gegenwart. Prost! Komm, lass uns endlich anstoßen mit dem Taurin-Gebräu. Auf dein Wohl.

Max. Mager. Max. Müller. Jeder ist formbar. Auch Prada legt seine „Linea Rossa“ wieder neu auf. Jeder ist formbar.
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Imhof kokettiert mit der Mütze. Ist mir egal. Es wirkt mühselig. Es wirkt cool. Ich liebe Anne. Anne, my love. What can I say? That’s what I know. I love you.
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Die geht ja auch nicht selbst in den Balenciaga-Laden und kauft sich das Cap, oder doch? Oh, vielleicht DOCH!
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Imhof: „Das ist tatsächlich das, was ich denke und fühle: raus aus der Oper. Auf die Straße. Aber diesmal auf die andere Seite. Ich zumindest bleibe bei der Malerei.“ (Die Zeit, 23.8.17)
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Straßenseite. Politik der Straße. Propagrande. Wie eine tote Ratte stinkt, das ist kaum auszuhalten. Du hast doch keine Ahnung, aber zu viel gesehen.
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Du sagst: Was du machst, bedeutet mir nichts. Ich deute ins Nichts.
Zufällige Bedeutung, von der ich nichts weiß, weiter so. Kann mich nicht berühren. Eine Überfülle an Bedeutung, die nicht mehr ausgelesen werden kann.
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Tote Fülle. Müll. Abfall. Dreck. Drogen. Kaputt. Die Worte fallen herunter. Bedeutung, die keine Bedeutung hervorruft oder zurückwirft. Bedeutung ohne Widerhall. Einfach keiner, der antwortet. Keine verlässliche, reliabele Antwort. Tausendfache Antwort. Splitter. Entzug. F-kokolor. Res. hin und her. N onanz. Mit sich selbst sein.
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Angst drei D. Dronen, die ihr Ziel per face-recognition zielgenau ansteuern und abfeuern. Angst, drei D.
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#ANGST-3D
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#KOKOLORES
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#Schizo-advertising.com
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Microaggressions. Sich in die Spirale reindrehen. Reduce to the max – again. Wie konnte das passieren?
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„Baby One More Time“ (Britney Spears, 1998) – „Oops! … I Did It Again“ (Britney Spears 2000)
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Josh Wing / „Higher State of Consciousness Original“
(https://www.youtube.com/watch?v=Ldfc68bxlB8)
😀
 
Natja Brunckhorst in „Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ von Uli Edel, 1981
Anne Imhof vor dem Deutschen Pavillon Venedig, Foto: ARD, „ttt“
Anne Imhof, Foto: Nadine Fraczkowski, Quelle: frankfurt.de
Natja Brunckhorst in „Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ von Uli Edel, 1981
ASAP Rocky und Michelle Lamy, Foto: twitter@fashion2society