Der ausgeschlossene Zuschauer

Inklusion-Exklusion-Spezial

2017:September // Birgit Schlieps

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09-2017

Der ausgeschlossene Zuschauer
Ein Spaziergang über die documenta in Athen



Das verkörperte Selbst usw.
Die documenta 14 sieht ihre Rolle darin, „Techniken der Beherrschung aufzudecken und ihnen eine unbegrenzte Reihe von Techniken des verkörperten Selbst gegenüberzustellen“, so Adam Szymczyk im Appendix des aktuellen documenta-Readers. Vor diesem Hintergrund rekapituliere ich meinen fünftägigen Besuch der documenta in Athen Ende Mai als einen fortlaufenden Spaziergang. (Die Fotografien sind den Orten entsprechend aufgereiht, allerdings gibt es nicht von allen im Text erwähnten Orten ein Foto und die Auswahl der Arbeiten gibt nur einen sehr kleinen Ausschnitt der Ausstellung wieder.)

Polykatoikia
Mit der Metro vom Flughafen am Nachmittag in die Stadt fahrend, begleiten uns in einiger Entfernung die durch den hellen Himmel erleuchteten Linien der Bergrücken. Auch die Dachterrasse des Hotels bietet eine faszinierende Ansicht: Vor uns breitet sich eine gleichmäßig modulierte Stadtlandschaft aus. Sie besteht hauptsächlich aus hellgelben und nach oben kubisch abgetreppten Apartmenthäusern, den Polykatoikia (basierend auf Le Corbusiers Dom-ino-System 1 ). Sie umgeben die Hügel in der Stadt und u.a. die Akropolis, die sie baugesetzlich nicht überragen dürfen. Omnipräsent sind desweiteren an den Wänden der benachbarten Häuser und auch auf Straßenniveau in der Stadt selbst Graffitis und Malereien mit dicken schwarzen Umrandungen. Die Schriftzeichen der griechischen Sprache scheinen sich sehr gut für grafisch eindrückliche Umsetzungen zu eignen, was sich die documenta in der Typografie ihrer Beschilderung und diverser Infomaterialien in einer Art Rückübersetzung auch zu Eigen gemacht hat.

Körper und Material
Der erste Ort, den wir uns ansehen, ist das Nationale Museum für zeitgenössische Kunst (EMST), eine ehemalige, ursprünglich bayrische Brauerei, jetzt umgebaut zu einem Museum und erstmalig genutzt für die documenta. Es gibt keinen Übersichtsplan, so dass man sich das Schauen nicht einteilen kann, sondern dazu gedrängt wird, von einer Arbeit zur nächsten zu gehen und zu versuchen, einen Zusammenhang in der jeweiligen Hängung zu erkennen. Wirklich in Erinnerung geblieben ist mir neben den großformatigen gläsernen Aussichten auf die Stadt, die die Architektur des Museums bietet, nur die Arbeit der israelischen Künstlerin Yael David. Ihre Installation „A Reading That Loves – A Physical Act“ beeinhaltete eine Metallkonstruktion mit zwei Holztafeln, in einem Kibbuz produziertes Panzerglas, eine Künstlerinnenhaarstickerei eines Gedichts von Else Lasker-Schüler, Textcollagen, Beschreibungen zu der Dichterin Else Lasker-Schüler (1869–1945) und der Kaiserin Iulia Aquilia Severa (3. Jh.n.Chr.), zwei Totenmasken von der Dichterin, eine Statue der Kaiserin und zwei mykenische Schwerte. Davids Text, veröffentlicht im Daybook der documenta endet mit: „Gequält atmen wir ein und aus [hinter Glasmasken] und hoffen, du und ich, dass das irrlichternde Spiel der Farben vor unseren Augen von etwas kündet, das uns berührt.“ Der kuratorische Text beschreibt ihre Arbeitsweise als eine Auseinandersetzung mit persönlichen und politischen Narrativen, mit Phänomenen des Sammelns und des kollektiven Erbes und mit dem Körper als Schauplatz von Konvergenzen und Konflikten. Mir gefällt der Kontrast zwischen der schroffen Materialität des industriell hergestellten Panzerglases und den Holzplatten, die aus einem Bauhausmarkt stammen könnten, in Verbindung mit der handgemachten, -geschnittenen Textcollage, der zweiseitigen Körperlichkeit der Masken, und der körperlichen Anverwandlung eines Textes.

Rohbau, Raumschiff und der ausgeschlossene Zuschauer
Weiter geht es mit dem Odeion, dem Athener Konservatorium, der Athener Hochschule für Musik, ein Dreh- und Angelpunkt der documenta, wie sich später herausstellen wird. Es liegt an einer der Hauptverkehrsadern der Stadt. Als Institution wurde es 1871 gegründet und 1959 als transformierter Teil eines größeren urbanen Ensembles und Plans für ein Kulturzentrum von dem Architekten Ioannis Despotopoulos entworfen und gebaut. Das langgestreckte dreigeschossige Gebäude mit seinen rampenähnlichen Aufgängen und Abgängen, den verschiedenen Innenhöfen auf unterschiedlichen Niveaus und den Kolonaden ist ein modernistischer, mit Marmor verkleideter Bau, der jedoch in seinem Inneren, aufgrund tatsächlicher Rohbauzustände überraschend brutalistische Ansichten bietet. Das sowohl innen als auch von außen unfertige Auditorium ragt ins Untergeschoss. Ein gestrandetes Raumschiff. Zu ebener Erde, in dem leicht zugänglichen Raum am Anfang des Gebäudes, ist die performative Arbeit „Social Dissonance“ von Mattin mit Dania Burger, Dafni Krazoudi, Danai Liodaki, Ioannis Sarris, Eleni Zervou und interessierten Mitperformern aus dem Publikum angesiedelt. Die Performances werden aufgezeichnet und können dann, wenn keine Aktionen stattfinden, dort angeschaut werden. Diese Arbeit ist vielleicht symptomatisch für den gesamten Ansatz der Athener documenta. Die Handlungsanweisung liest sich sehr interessant und bringt als ausformulierte Problemstellung ein Anliegen mit den entsprechenden Verweisen und Referenzen genau auf den Punkt. „Präpariere das Publikum mit Konzepten, Fragen und Bewegungen, um die Dissonanz zu erforschen, die zwischen dem vom Kapitalismus beförderten individuellen Narzissmus und unserer sozialen Kompetenz entsteht, zwischen der Art und Weise, wie wir uns selbst als freie Individuen mit Handlungsmacht begreifen und der Art und Weise, wie wir sozial durch kapitalistische Beziehungen, durch Technologie und Ideologie determiniert sind.“ Allein aus der Anschauung heraus und ich vermute, auch in der Partizipation, vermittelt sich von diesem Inhalt jedoch eher wenig. Der Zuschauer fühlt sich ausgeschlossen. Aber ich stelle mir die Umsetzung gern vor bzw. allein das formulierte Vorhaben, die Benennung, setzt bei mir einen Denkprozess in Bewegung, der Kräfte zur Bewältigung dieser schizophrenen Situation zu mobilisieren vermag.

Unlearning
Der nächste Ort (das Benaki-Museum lasse ich hier mal aus) ist dann eine aufgelassene Textilfabrik, die in den 1990er-Jahren zum Standort der Kunsthochschule umfunktioniert wurde. In der ehemaligen Bibliothek der Hochschule ist jetzt das Aneducation-Programm der documenta untergebracht, deren erklärtes Ziel ein Prozess des „Unlearning“ ist, bevor ein „Learning from“ sich ereignen kann. Unter diesem Motto sind auch mehr oder weniger die in der Nikos-Kessanlis-Ausstellungshalle versammelten Arbeiten zu verstehen. Ein großer Teil des Raums wird von Lehrexperimenten der 1950er-, 1960er-, 1970er-Jahre bespielt. Hervorzuheben ist dabei die Zusammenarbeit der Tänzerin und Choreografin Anna Halprin mit dem Landschaftsarchitekten, Urban Designer und Ökologen Lawrence Halprin, die sich in vielen Studentenworkshops (filmisches Dokumentationsmaterial) und deren aufgezeichneten Scores (Aufzeichnungen, Hefte und Bücher in Vitrinen) und einer in einem kalifornischen Mammutbaum-Gebiet installierten Tanzbühne widerspiegelt. Trisha Brown, Simone Forti und Yvonne Rainer waren unter ihren Studierenden und auch Merce Cunningham performte auf der Tanzbühne. Ziel war es, Formen des Tanzes durch kollektive „task performances“, Bewegungsrituale und kinästhetische Erfahrungen entstehen zu lassen. 3 Sie bilden die Grundstimmung in der Ausstellungshalle, die quasi den neueren Arbeiten unterlegt ist. Desweiteren sind zu sehen: Artur Żmijewski schwarz-weiße Dokusoap „Glimpse“ (2016–2017) in einem Flüchtlingslager mit dem Grundrezept, der durch einen Warencharakter korrumpierten Gabe: Künstler verschenkt warme Jacke an Flüchtling mit der Bedingung ein weißes Kreuz auf den Rücken malen zu können. In eine direkte Beziehung könnte man zu dieser Arbeit vielleicht Allan Sekulas „School Is a Factory“ (1978–1980) stellen, die auf der schlecht belichteten Empore der Halle ausgestellt ist und bei der es auch um erpresserische Verhältnisse geht, die dem Individuum durch Schule, Staat und Kapital aufgezwungen werden. Mittendrin Lucius Burckhardts „Landschaftstheoretische Aquarelle“ (1970–1995), die den grundsätzlich durch „Erlerntes“ korrumpierten Blick auf die Landschaft thematisieren. Am Ende der Halle ist rechterhand das multimediale Schachspiel-Szenario „The Chess Society“ 4 von Bili Bidjocka installiert, das eine digitale Verbindung zu Kassel in der Verknüpfung zweier unsichtbarer Spieler/innen herzustellen scheint. Linkerhand sieht man in einer Art Auditorium ein großformatiges Screening, das vergangene und aktuelle Migrationsbewegungen durch Griechenland nacherzählt, verknüpft mit performten aktuellen Statements zu Politikverständnissen.

Psychotechnische Parameter, Land unter
Die Sockel der Gebäude des Polytechnikums sind mit Graffiti übersät. Im restaurierten Prevelakis-Saal wird die Arbeit „marco14 und CIAM4 / Schiffbruch mit Zuschauer“ (2017) von Rainer Oldendorf präsentiert. Er stellt einerseits eine Zusammenarbeit mit französischen und griechischen Studierenden aus, die sich offensichtlich mit seinen Themen beschäftigten, die sowohl die Lektüre von Hans Blumenbergs „Schiffbruch mit Zuschauer“ als auch Laszlo Moholy-Nagys Filmtagebuch 5 der Schiffsüberfahrt Marseille—Athen als Teil des 4. CIAM-Kongresses 1933 beinhalten. Auf den Zetteln eines Studierenden ist auch zu lesen, dass er nicht Teil eines durch die documenta generierten Exotismus sein wolle. Eine aufgeschnappte These oder Realität einer Erfahrung? Den Film von Moholy-Nagy kann man sich bequem im Liegen anschauen, auf einem mit entsprechend weichen Unterlagen ausgestatteten Deck. Auf jeden Fall ein Pluspunkt der gesamten Installation, weil damit sowas wie eine Schiffsüberfahrterfahrung vermittelt wird. Aber das durch die Auslage 6 des Buchs „Schiffbruch mit Zuschauer“ von Hans Blumenberg anklingende Thema der metaphorischen Gleichsetzung eines eventuell nicht gelingenden Lebensentwurfs kann ich nicht entdecken. Es sei denn, eine spezifische Gesamt-Athener Aura ist gemeint, die man sich durch documenta-Erläuterungen wie: „der Platz [Kotzia-Platz 7 ] wirkt durch den aktuellen Niedergang des Athener Geschäftszentrums heute scheinbar verlassen“ oder durch die Frage einer Athenerin, „ob ich denn wüsste, dass es aufgrund der wirtschaftlichen dramatischen Zustände zahlreiche Selbstmorde gegeben habe“, zusammenreimen kann.
Sokol Beqiris gepfropfter Baum „Adonis“ (2017), unten Eiche Athen, oben Eiche Kassel, im Garten des Polytechnikums könnte in einer möglichen Lesart da fast als ironischer Beitrag im Comic-Style durchgehen, wenn die tatsächliche Situation nicht so bitterernst und für die Einzelnen in dieser Weise so lebensbedrohlich wäre.
Nebenan, im Studio des Architekten Andreas Angelidakis findet sich dann eine dichtere Installation, die mit Lichteffekten und Filmprojektionen von griechischen Spielfilmen in urbanen Settings in eng zueinander stehenden Pappkartons einen psychedelischen Effekt erzeugt. Die gekippte Chaiselongue und eine porzellanköpfige Athena aka Charlotte Perriand mit einer beleuchteten Akropolis auf dem Kopf vermitteln eine Form des Land unter.
Ein paar Straßen weiter ist eine Arbeit von Maria Eichhorn verortet, „Building as unowned property“ (2017), ein mit einem Fahrradschloss verschlossenes Gebäude. Daneben parkt ein schwarzer Porsche. An der Haustür gibt es einen kleinen orangenen Aufkleber mit dem Wort „kunst“. Das große Fragezeichen ist unsichtbar. Auf der Internet-Seite der documenta lese ich nach, dass Eichhorn in Kassel auch noch eine umfangreiche Arbeit zum Gurlitt-Nachlass 8 hat. In einem Interview mit Adam Szymczyk und Alexander Alberro sieht Maria Eichhorn „die documenta als gesellschaftliches Medium“ und zählt sie neben anderen Institutionen und Initiativen „zu jenem Kernbereich der Zivilgesellschaft, in dem das Selbstbild der Gesellschaft produziert wird“ und führt an, dass „künstlerische Gegenentwürfe zu erstarrten Geschichtsbildern“ Umschreibungsprozesse anstoßen können. Zu „Building as unowned property“ ist vermerkt, dass es sich um die Umwandlung eines neoklassizistischen zweistöckigen Steinhauses von 1928 in ein Haus ohne Eigentümer handelt. Weiter finde ich erst mal nichts. 9

Marmorner Faltenwurf
Auf dem Weg zur Akropolis komme ich an einem Graffiti vorbei: CRAPUMENTA 14 THE CRISIS OF COMMODITY OR THE COMMODITY OF CRISIS und nehme an, dass der Exotismus-Vorwurf diesen Zusammenhang berührt: Die documenta in Athen als ein Schauplatz der Krise, der zur Schau gestellt wird, und ich wundere mich letztendlich, dass die konkrete Krise in Griechenland doch sehr verhalten zum Thema gemacht wird. Da ist das Zelt der indigenen kanadischen Künstlerin Rebecca Belmore keine Ausnahme. Es wurde aus Marmor von dem Athener Künstler und Auftragsbildhauer Vangelis Ilias gefertigt und steht vis-à-vis der Akropolis auf dem Filopappou-Hügel. Der Widerspruch zwischen der unverrückbaren Schwere des Materials und des Zelts als temporärer Unterkunft soll auf die Permanenz der Situation von Flüchtlingen aufmerksam machen. Mich irritiert der in Marmor gemeißelte antike Faltenwurf des Stoffes. An dieser Stelle wird das Zelt vor allem zum gut platzierten Aussichtspunkt und ich assoziiere den träumerisch-romantischen, die Antike verklärenden Entwurf für einen Palast (1834) auf der Athener Akropolis von Karl Friedrich Schinkel für den aus Bayern stammenden König Otto von Griechenland. 10 Er wurde bekanntlich nicht gebaut, sondern von Friedrich von Gärtner ein „Kasten“ (1836–43) in der Stadt, der bis 1910 als königlicher Palast diente und ab 1929 zum Syntagma-Parlamentsgebäude umfunktioniert wurde. Erwähnt sei hier noch die kontextuelle Landschaftsgestaltung (1954–57) von Dimitris Pikionis, die hauptsächlich aus patchworkartigen Pflasterarrangements für die Akropolis und den Filopappou-Hügel besteht.

deep listening und peripatetikos
Beim zweiten Besuch des Odeions entdecke ich die Arbeiten von Pauline Oliveros und Sedje Hémon. Von der Komponistin, Akkordeonistin und Sound-Künstlerin Pauline Oliveros sind in Vitrinen und an der Wand einige Textpartituren und Dokumente (1975–92) zu sehen. Die Partituren bestehen meistens aus textbasierten Anweisungen zu kollektiven Handlungen, die „Sonic Meditations“, bei denen die Praxis des „deep listening“ jeweils im Mittelpunkt steht. „Deep listening“ bedeutet, die gesamte klangliche Umgebung als Teil der künstlerischen Erfahrung anzusehen. Sie arbeitete am San Francisco Tape Music Center und gründete 1988 die „Deep Listening Band“ (DLP). In der Vitrine liegt ein Teil des Postcard Theatre, u.a. die Karte mit dem Text: „Bach was a Mother“, das sie zusammen mit Alison Knowles produzierte. In einem Interview sagt Pauline Oliveros, dass sie in Echtzeit-Kompositionen nach neuen Klängen und Mustern forsche, um Geist und Bewusstsein zu erweitern und neuronale Wege zu verändern. „Heilung kann auftreten. . . wenn sich eine innere Erfahrung manifestiert und sie von anderen akzeptiert wird.“ 11
Nach diesem Raum, einer Art Passage, geht es wieder weiter im punktuell beleuchteten Rohbau: Betonoberflächen und braune Lochmauersteine wechseln sich ab. In einer Rotunde befinden sich die Gemälde von Sedje Hémon mit Titeln wie „Polonaise des dominos“ (Polonaise der Dominos, 1963), „Balance périlleuse“ (Gefährliches Gleichgewicht, 1963) und „Conflit ordonné“ (Geordneter Kampf, 1963). Sie war vor dem Krieg und der Erfahrung der Shoah eigentlich Violinistin und entwickelte in den 1960er-Jahren eine Methode, ihre Bilder mit Hilfe eines Pitch-Rasters in Musikpartituren umzuwandeln. Sie war überzeugt von der Möglichkeit, künstlerische Formen in verschiedene Medien übersetzen zu können.

Aristoteles’ Lykeion
Kurz vor dem Abflug besuche ich noch das, erst 1996 entdeckte und seit 2014 öffentlich zugängliche, Gymnasium von Aristoteles. Laut documenta-Programm sind zu festgelegten Zeiten über Militär-Lautsprecher Geschichten von Vertreibungen, notwendigen Reisen und daraus resultierenden Transformationen der Künstlergruppe „postcommodity“ zu hören. Das Feld schließt rückwärtig an das Odeion an, was mir aber erst in dem Moment des Betretens klar wird. Diese Lagebeziehung kommt mir vor wie ein wichtiger Mosaikstein zum Begreifen der Athener Stadtstruktur als auch des Anliegens der documenta. Peripatetikos, ein wesentlicher Bestandteil der Aristoteleschen Methodik des Lernens, heißt übersetzt: zum Gehen neigend; Lernen als eine Bewegung, in der Körper und Geist aufeinander abgestimmt sind.

Fazit
Bei dem, was zu sehen, zu erfassen und zu erwandern ist, steht weder der Status der Sichtbarkeit, die Originalität oder die Objekthaftigkeit der Kunstwerke oder die einzelne Künstler/innenpersönlichkeit im Vordergrund. Es geht mehr um ein kollektives Erarbeiten und Benennen von gesellschaftlichen Themen anhand einzelner Stimmen. Allerdings besteht die Gefahr, in einen andauernden Modus des Referenzierens zu verfallen und keinen gegenwärtigen Ausdruck zu finden, was angesichts der bewältigten Komplexität jedoch eher nebensächlich und letztendlich auch eine Form ist.

1
1914 von Le Corbusier entwickelt als Selbsthilfe-Konstruktionssystem (Dom-ino, lat. Haus und Abkürzung für Innovation), ein mit Betonstützen einfach zu bauendes Rahmensystem, offen für jede Art räumlicher Auffüllungen und Interpretationen. In der Nachkroiegszeit wurde es von Corbusier als Prototyp zur Lösung des hohen Wohnungsbedarfs angesehen.
2
www.governementofthings.tk. Zetteltexte:
– The Governement of Things is a movement of radical governing where the things themselves partake in an excercise of political protection of the environment while simultaneously creating a new poltical geography
– Can we comprehend the common territiory between a new kind of geoploitics through a kind of politics that considers Earth as a bond?
– We can better organise our knowledge regarding complicated instances of environmental violence?
– Can we depose the dominatt costants that govern the interactions between society and nature and to reolace them with the prospective of global ecology?
– The time has come for our voices to unite and to cause action in the participatory movement Governement of Things. We as the new political bodies, interact with our natural environment – organic or not – and redesign a new nation-state with open boarders and the immediate termination of the exploitation of the earth by the capital. The participation of each citizen is necessary in the fight against the colonialism of capital.
3
Dieser kreative Prozess wurde von den Halprins auch als „RSVP-Feedbackschleife“ begrifflich definiert, bestehend aus resources, scoring, valuaction, performances (Ressourcen, Aufzeichnung, wertfreie Einschätzung, Aufführungen).
4
The Chess Society. J’ai l’impression qu’il y a une histoire d’amour entre la fille de salle et le grand noir qui fait le ménage (Ich habe das Gefühl, es besteht eine Liebesgeschichte zwischen der Kellnerin und dem großen schwarzen Putzmann, 2017).
5
Laszlo Moholy-Nagy: „Architects’ Congress“ (1933), 35 mm, schwarz-weiß, 32 min, Filmtagebuch anläßlich des CIAM 4, Congrès International d‘Architecture Moderne, an Bord des Schiffs MS Patris zwischen Marseille und Athen.
6
Hans Blumenberg: „Schiffbruch mit Zuschauer“ (1979). Das Buch lag in der Installation von Oldendorf in mehreren Ausgaben in verschiedenen Sprachen aus.
7
Auf dem Kotzia-Platz gibt es vom 6. April–17. Juli zweimal täglich ein Essen, das von dem Künstler Rasheed Araeen unter pakistanischen Zeltpavillions organisiert wird mit dem Motto „Shamiyaana–Food for Thought: Thought for Change“.
8
Der Gurlitt-Nachlass besteht aus ca.1.500 Kunstgegenständen, die zum Teil innerhalb einer Provenienzforschung als Naziraubkunst klassifiziert werden können.
9
Im Nationalmuseum für zeitgenössische Kunst (EMST) befinden sich einige Bögen zum Schriftverkehr mit Maklern und Anwälten innerhalb des ungewöhnlichen juristischen Prozesses, den legalen Status eines Gebäudes in den Status des Nichteigentums zu überführen.
10
Die Signatarmächte der griechischen Unabhängigkeit – Großbritannien, Frankreich und Russland – führten 1832 die absolute Monarchie ein und bestimmten Prinz Otto Friedrich Ludwig von Wittelsbach zum ersten König von Griechenland.
11
„Healing can occur … when one’s inner experience is made manifest and accepted by others.“ (Oliveros 1974)

thener Konservatorium (Odeion) Joar Nango: „European Everything“ (2017), mobile Bricolage-Bühne, digitale Anzeigentafel: „They got what they wanted“, Textarbeit E von Martinjn in’t Veld
Hochschule der bildenden Künste (ASFA), Nikos Kessanlis Ausstellungshalle, Pireos 25
Hochschule der bildenden Künste (ASFA), Nikos Kessanlis Ausstellungshalle, Pireos 25
Hochschule der bildenden Künste (ASFA), Nikos Kessanlis Ausstellungshalle, Pireos 25, Zettel: „The Government of Things. Applying for Asylum.“ 2
Hochschule der bildenden Künste (ASFA), Nikos Kessanlis Ausstellungshalle, Pireos 25, Sticker: „documenta 14 Can You Kill The Hierachy Within You“
thener Konservatorium (Odeion) Joar Nango: „European Everything“ (2017), mobile Bricolage-Bühne, digitale Anzeigentafel: „They got what they wanted“, Textarbeit E von Martinjn in’t Veld
Athens Festival Premises, Pireos 260, Sound Acts: music, performance, identity
Athens Festival Premises, Pireos 260, Epidaures Hotel Blick von der Terrasse
Athens Festival Premises, Pireos 260, Epidaures Hotel Blick von der Terrasse
Rainer Oldendorf: „marco14 und CIAM4 / Schiffbruch mit Zuschauer“ (2017)
Polytechnion, Nationale Technische Universität (NTUA) – Patison-Komplex, Hochschule der bildenden Künste (ASFA), Prevelakis-Saal, Patision 42
Polytechnion, Nationale Technische Universität (NTUA) – Patison-Komplex, Hochschule der bildenden Künste (ASFA), Prevelakis-Saal, Patision 42 Sokol Beqiri: „Adonis“ (2017), neu gepflanzter Eichenbaum mit aufgepfropften Ästen einer Eiche aus Kassel
Stavropoulou 15, Amerikis-Platz Maria Eichhorn: „Building as unowned property“ (2017)
Stavropoulou 15, Amerikis-Platz Maria Eichhorn: „Building as unowned property“ (2017)
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Polytechneiou 8 Andreas Angelidakis: „Athinaiki Techniki“ (Untersuchung der psychotechnischen Parameter der Konstruktion von Athen)
Polytechneiou 8 Andreas Angelidakis: „Athinaiki Techniki“ (Untersuchung der psychotechnischen Parameter der Konstruktion von Athen)
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Aesophagus Hügel
Akropolis Karl Friedrich Schinkel: Entwurf zu einem Palast für König Otto von Griechenland auf der Athener Akropolis (1834)
Filopappou Hügel Dimitris Pikionis: Wege und Pavillon (1954–57), Rebecca Belmore: „Biinjiya’iing Onji“ (From inside), 2017, Marmorzelt
Filopappou Hügel Dimitris Pikionis: Wege und Pavillon (1954–57), Rebecca Belmore: „Biinjiya’iing Onji“ (From inside), 2017, Marmorzelt
Filopappou Hügel Dimitris Pikionis: Wege und Pavillon (1954–57), Rebecca Belmore: „Biinjiya’iing Onji“ (From inside), 2017, Marmorzelt
Aristoteles’ Lykeion (335 v. Chr. gegründet von Aristoteles als einem Vertreter des peripatetischen Lernens), Postcommodity: „The Ears between Worlds are always speaking“ (2017), Soundinstallation.